KLASSISCHES FENG SHUI
oder das
Drei-Türen-Bagua?
Jedes Mal, wenn ich auf die Bagua-Karte stieß, insbesondere auf das Drei-Türen-Bagua, verspürte ich ein gewisses Unbehagen. Es fiel mir schwer zu glauben, dass eine jahrtausendealte Lehre wie Feng Shui auf eine Standard-Schablone reduziert werden könnte, die einfach über den Grundriss einer Wohnung gelegt wird, um angeblich individuelle Lösungen zu liefern.
Was geschah dann mit der energetischen Ausrichtung des Hauses? Als Architektin habe ich die Himmelsrichtungen, das Licht und die Beziehung eines Raumes zur Sonne immer als wesentlich betrachtet. Etwas passte nicht zusammen … bis ich das klassische Feng Shui entdeckte und eine tiefgehende Ausbildung begann, die mich schließlich zur zertifizierten Beraterin führte.
Heute schreibe ich diese Zeilen sitzend in meinem Sessel, in der Power Position meines Wohnzimmers, voller Freude darüber, den zweiten Beitrag dieses Blogs zu teilen. Ein Text, der aus dem Wunsch entstanden ist, das zu erklären, was ich zu Beginn meines Weges im authentischen Feng Shui gerne verstanden hätte: das klassische Feng Shui.
Das sogenannte „Drei-Türen-Bagua“
Es ist eine vereinfachte und weit verbreitete Methode, bei der das traditionelle Bagua auf den Grundriss einer Wohnung angewendet wird, indem die Haupttür als Referenz genommen wird. Die Karte wird so über den Plan gelegt, dass ihre drei unteren Bereiche mit der Eingangsseite ausgerichtet sind – ohne Berücksichtigung der Himmelsrichtungen oder ihrer energetischen Qualität.
Dieser Ansatz entstand in den 1980er-Jahren in Kalifornien als Versuch, die Lehre des Feng Shui leichter zugänglich zu machen. Sein Begründer, Meister Thomas Lin Yun, wollte die komplexen Systeme des klassischen Feng Shui – die auf den acht Kompassrichtungen basieren – vereinfachen. Ausgangspunkt war dabei die Annahme, dass das gesamte Qi ausschließlich durch die Haustür in den Raum eintritt.
So wird die Raumanalyse zwar schnell und einfach, verliert jedoch an Tiefe.
Das traditionelle Feng Shui
Bei Spaces in Harmony basiert meine Arbeit auf dem klassischen Feng Shui und der Verwendung des traditionellen Lo-Pan-Kompasses für eine präzise und bewusste Raumlesung. Das Zuhause wird dabei im Dialog mit den realen Himmelsrichtungen, dem Lauf der Sonne, der Umgebung und der Zeit betrachtet. Jede Richtung ist ein lebendiges Energiefeld mit einer einzigartigen Qualität, die sich auf jedes Zuhause und jede Lebensphase unterschiedlich auswirkt.
Diese Perspektive ermöglicht es zu verstehen, wie das Qi fließt, wo es stagniert und was ein Raum braucht, um sein Gleichgewicht wiederzufinden. Mit dem Kompass zu arbeiten bedeutet nicht, zu verkomplizieren, sondern feiner hinzuhören und eine authentische, individuelle energetische Harmonisierung des Zuhauses anzubieten – fernab von universellen Rezepten oder generischen Symbolen.
Sich für klassisches Feng Shui zu entscheiden, ist eine Einladung, die Essenz der Natur und einer jahrtausendealten Tradition zu ehren, die Räume mit Respekt beobachtet, misst und erspürt. Denn ein Zuhause wird nicht nur bewohnt – es wird gehört, verstanden und in seiner Wahrheit harmonisiert.